SAMSTAG 24.OKTOBER

REFORMIERTE KIRCHE ERLENBACH

19:00

Galakonzert

Ungarischer Tanz Nr. 2, d-moll

Johannes Brahms (1833 – 1897): Ungarischer Tanz Nr. 2 d-moll, WoO

Katalin Müller (Violine), Alex Wilson (Piano)

 

Die Ungarischen Tänze gehören zu den populärsten Werken von Johannes Brahms. Ursprünglich für Klavier zu vier Händen komponiert, wurden sie später teils von Brahms selbst, teils von anderen Bearbeitern orchestriert. Daneben existieren auch Bearbeitungen für Klavier und Violine. Anders als oft angenommen, handelt es sich bei den Tänzen nicht um altes ungarisches Volksgut und schon gar nicht um traditionelle Melodien der Roma. Brahms dürfte die Themen über den ungarischen Violinvirtuosen Eduard Reményi kennengelernt haben, den er 1852/53 als Pianist auf einer Konzerttour begleitete. 

Konzert für Oboe, Violine und Orchester c-moll

Johann Sebastian Bach (1685 – 1750), BWV 1060r, 1. Satz: Allegro

Viviane Müller (Violine), Damian Neidhardt (Oboe),

Ad-hoc-Streichquartett: Joëlle Uehlinger, Joëlle Müller, Livia Sulzer,

Katalin Müller, Elizaveta Parfentyeva (Continuo)

 

Trotz seiner grossen Popularität ist Bachs Konzert für Oboe, Violine und Orchester kein Originalwerk, sondern eine Rekonstruktion. Die ursprüngliche Version, vermutlich während Bachs Köthener oder frühen Leipziger Jahren entstanden, ist verschollen.  Der Musikhistoriker Max Schneider rekonstruierte das Werk aus dem c-Moll-Konzert für zwei Cembali (BWV 1060). Die virtuosen Soli und der aus drei Sätzen bestehende Aufbau schnell-langsam-schnell zeigen klar den Einfluss Antonio Vivaldis. 

L’isle joyeuse

Claude Débussy (1862 – 1918), 1904

Elizaveta Parfentyeva (Piano)

 

Kenner Debussys vermuten, dass der Komponist auf das berühmte Gemälde von Watteau «Einschiffung nach Kythera» anspielt. In der griechischen Mythologie war Kythera die Insel der Aphrodite (Venus) und galt als «Ort des glückhaften Lebens». Debussy vollendete diese Komposition tatsächlich auf einer Insel, nämlich auf der Kanalinsel Jersey, wohin er sich mit seiner Geliebten Emma Bardac, einer Bankiersgattin, zurückgezogen hatte, nachdem die Verbindung der beiden in Paris für einen Skandal gesorgt hatte. 

L’isle joyeuse gehört zu den berühmtesten Klavierwerken des Komponisten und ist eines der populärsten Werke des Impressionismus. Debussy selbst schätzte sein Werk sehr hoch ein: «Mon dieu, wie ist das schwer zu spielen, dieses Stück vereinigt in sich (…) alle Arten mit dem Klavier umzugehen, denn es verbindet Kraft und Anmut (…)», schrieb er in einem Brief an seinen Verleger.

Northern Lights/Love Lost/Crying with the wolves/Compass

Ingeborg, Vier Songs aus dem Zyklus True North 

Text und Musik: Ingeborg Oosterhuis, 2018, arr.: Alex Wilson 2020

Ingeborg (Vocals), Fiddling Millers, xxxxx (Klarinette), Damian Neidhardt (Oboe), xxxxx (Violine), xxxxx (Cello)

 

Ingeborgs Reise True North, also direkt nach Norden, ist viel mehr als eine geografische Reise, es ist eine Reise, die zur Selbstfindung führt. Ihre Lieder sind spiritueller Ausdruck ihrer Erlebnisse und führen in die wilde, ungezähmte Natur, in reine Energie, zu uralten Runen und Nordlichtern. «Northern Lights» erzählt über die Erfahrungen, die man mit sich trägt, über Wunden, die geheilt werden müssen. Um Raum füreinander und für sich selbst. «Love Lost» handelt nicht von verlorenen Beziehungen zu anderen Menschen, sondern zum inneren Selbst. In «Crying with the Wolves» und «Compass» geht es um Verbindungen zu Menschen, die unsere Wellenlänge haben, und um den Zugang zu unseren eigenen Gefühlen, die so oft von Logik und Verstand blockiert werden.

Trio

Paul Harris (*1955), Trio (Burlesque – Dance – Meditation – Prologue – Soliloquy – Waltz)

Helene Schulthess (Flöte), Miguel Geijo (Oboe),

Christian Hertel (Klarinette)

 

Paul Harris studierte Klarinette an der Royal Academy of Music sowie Musikpädagogik an der Universität London. Er ist einer der gefragtesten Musikpädagogen Grossbritanniens, Komponist und Schriftsteller. Das Trio für Querflöte, Oboe und Klarinette besteht aus sechs kurzen, launigen Sätzen. Humoristische Einfälle, lyrische Melodien und eigenwilligen Klänge wechseln sich ab und machen dieses Trio zu einem beliebten Werk in der Kammermusik für Holzbläser.

Puszta-Märchen

Musik: Hermann Schulenburg (1886 – 1959), 1936

Katalin Müller (Violine), Omar Puente (Violine), Alex Wilson (Piano)

 

Hermann Schulenburg war in den 30er-Jahren ein bekannter Komponist, der neben Filmmusik auch viele Stücke für Salonorchester schrieb. Heute ist er fast komplett in Vergessenheit geraten und kaum noch in speziellen Musiklexika zu finden. Sein 1936 erschienenes Puszta-Märchen hat zwar nichts mit traditionellem ungarischem Liedgut zu tun. Dafür endet es in feurigen Csárdás-Rhythmen, was wohl mit ein Grund für seine fortdauernde Beliebtheit ist.

Maschad

Matthias Ziegler, 1999

Matthias Ziegler (Flöte)

 

Matthias Ziegler hat diese Komposition Maschad gewidmet, einem über 1200 Jahre alten Handels- und Pilgerzentrum im Nordosten Irans, nahe der Grenze zu Afghanistan. Das Stück ist inspiriert von den Klängen des Santour, des iranischen ”Hackbretts". Man taucht in eine andere, fremde Welt ein und stellt mit Staunen fest, welche Töne ein Virtuose seinem Instrument entlocken kann.

Alex Wilson & Friends

Zwei Stücke

Alex Wilson (Piano), Omar Puente (Violine), Seckou Keita (Kora)

V’adoro, pupille

Georg Friedrich Händel (1685 – 1759), Arie der Cleopatra aus: Giulio Cesare in Egitto, 2. Akt, HWV 17, 1724

Danielle Zuber (Sopran), Elizaveta Parfentyeva (Piano)

 

Caesar und Kleopatra, zwei der berühmtesten Persönlichkeiten der Antike, stehen im Mittelpunkt dieses Dramas um Macht, Liebe, Rache und Mord. Am Anfang des 2. Akts plant Kleopatra, als Hofdame «Lidia» Cäsar zu verführen. Dazu baut sie in einem Zedernhain eine Kulisse, die den Berg Parnassus und den Tempel der Tugend darstellt. Nun tritt Cleopatra als «Lidia» aus dem Berg hervor. Cäsar erliegt augenblicklich der strahlenden Erscheinung und der lieblichen Stimme «Lidias», aber die Verführung misslingt trotzdem, weil der Berg sich gleich wieder schliesst. Pech für Cäsar, aber Glück für das Publikum, denn Händel hat mit V’adoro, pupille eine seiner grossartigsten Arien geschaffen.  

Ah! Vous dirai-je maman

Text: Thomas-Marie-François Sauvage

Musik: Adolphe Adam (1803 – 1856), Le toréador, 1. Akt Nr. 5, 1849 

Danielle Zuber (Sopran), Matthias Ziegler (Flöte),

Elizaveta Parfentyeva (Piano)

 

Wer die Anfangstakte dieser Arie hört, denkt gleich an das Lied «Morgen kommt der Weihnachtsmann» (Hoffmann von Fallersleben). Im angelsächsischen Sprachraum würde man sich an «Twinkle, Twinkle Little Star» erinnern. Sofort erkennbar wäre diese Melodie übrigens auch in Griechenland oder Vietnam, denn mittlerweile hat sie sich über die ganze Welt verbreitet. Kennern der klassischen Musik fallen Mozarts Variationen über dieses Thema (KV 265) ein, und weitere Bearbeitungen finden sich bei einer ganzen Reihe von anderen Komponisten, unter anderem J.C.F. Bach und Franz Liszt. Dabei war der ursprünglich überlieferte Text beileibe kein Kinderlied, sondern hatte leicht anzüglichen Inhalt. Der passte dann auch bestens zur frivolen Oper «Le Toréador», in der es um eine Dreiecksbeziehung geht. Adam hat die einfache Melodie in eine hochvirtuose Gesangsnummer, eine Bravourarie, verwandelt, die jede Künstlerin vor grosse Herausforderungen stellt. 

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