SAMSTAG 1.OKTOBER

REFORMIERTE KIRCHE ERLENBACH

19:00 Uhr

Galakonzert

mit A la Q’Art,

Andrea Wiesli & Jonas Kreienbühl,

Omar Puente, Alex Wilson & Dimitris Christopoulos

A la Q’art

Bota Mortier (Violine I), Brigitta Barandun (Violine II),

Astrid Leuthold (Viola), Odile Rostan (Violoncello)

Mit grossem Spass und virtuoser Vielseitigkeit schlagen die vier Berufsmusikerinnen des Ensembles A la Q’Art originelle Brücken zwischen den verschiedensten Musikstilen. Sie überraschen das Publikum mit unkonventionellen Programmkombinationen und führen es – stets mit einem Augenzwinkern – gerne auch einmal aufs musikalische Glatteis. Zu hören ist von A la Q'Art alles, was das musikliebende Herz begehrt – von erlesenen Werken der klassischen Streichquartettliteratur über Walzer-, Tango- und Zigeunerklänge bis hin zu besinnlichen und heiteren Opern- oder Jazzarrangements. Gemeinsame Basis aller Darbietungen sind musikalischer Witz, Charme – und natürlich der einzigartige Klang des Streichquartetts.

 

Für das Galakonzert des Erlibacher Music Festival hat das Streichquartett A la Q’art unter dem Titel Serenatella ein besonderes Programm zusammengestellt: Ein romantisch verspieltes Abendständchen, beschwingt und charmant interpretiert durch die vier Musikerinnen. Es erklingen bekannte und vergessene Melodien mit einem Hauch von Nostalgie.

Liebesfreud

Fritz Kreisler (1875–1962),

aus: Alt-Wiener Tanzweisen, 1905

 

«Liebesfreud» ist ein Stück aus Kreislers 1905 erschienenen Alt-Wiener Tanzweisen, ursprünglich für Violine und Klavier komponiert. Melodiös und voller einschmeichelnder Harmonien gelten sie als typische Beispiele für die Musik in den Wiener Caféhäusern zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Kreisler, einer der grössten Violinvirtuosen seiner Zeit, beendete Konzerte oft mit einer Zugabe aus den Alt-Wiener Tanzweisen. Die vielen Bearbeitungen (unter anderem eine virtuose Transkription für Piano von Rachmaninow) zeugen von der grossen Popularität dieser Musik über Jahrzehnte hinweg. Kreisler besass übrigens einen eigenwilligen Sinn für Humor: Die Alt-Wiener Tanzweisen schrieb er bei der Veröffentlichung dem Walzerkomponisten Joseph Lanner (1801–1843) zu und erklärte erst 1910 seine Urheberschaft. Die Stücke seiner Sammlung Klassische Manuskripte (1911) gab er viele Jahre als Kompositionen berühmter Barockkomponisten aus, ehe er sie als eigene Werke deklarierte. Etwas peinlich für die führenden Musikkritiker der Zeit – niemand hatte auch nur entfernt Verdacht geschöpft …

Ständchen

Franz Schubert (1797–1828),

aus: Schwanengesang, D 957 Nr. 4, 1828 

 

Schubert komponierte dieses Lied im Sommer 1828, wenige Monate vor seinem Tod, auf ein Gedicht des heute vergessenen Dichters Ludwig Rellstab. «Ständchen» ist Teil der 1829 postum unter dem Titel Schwanengesang veröffentlichen Sammlung von Liedern zu Gedichten von Heinrich Heine, Ludwig Rellstab und Johann Gabriel Seidl. Die Melodie ist wohl eine der berühmtesten Schöpfungen Schuberts – sie evoziert das Bild eines Sängers zu nächtlicher Stunde, der die Geliebte besingt und dabei zwischen Melancholie, Sehnsucht und Hoffnung hin und her pendelt. 

Polichinelle (Serenade)

Fritz Kreisler (1875–1962), 1917

 

Polichinelle ist die französische Form von Pulcinella. Diese Figur aus der Commedia dell’Arte – weisses Kostüm, spitzer Hut und schwarze Halbmaske mit Vogelnase – hat meistens einen schlauen, listigen, manchmal aber auch groben und gefrässigen Charakter. Etwas anders kommt uns Polichinelle in der 1917 erschienenen «Serenade» entgegen – als heitere, witzige und kapriziöse Figur mit leicht melancholischen Untertönen.

By the Sleepy Lagoon

Eric Coates (1886–1957), 1930

 

Der britische Komponist Eric Coates war von den Eindrücken an einem lauen Sommerabend am Strand von Selsey in Südengland (nahe bei Portsmouth) inspiriert, als er dieses Stück komponierte: steil abfallende Kieselstrände mit tiefblauem Meer, das Küstenstädchen Bognor Regis in rosa Töne gehüllt wie eine verwunschene Stadt. So mindestens will es die Geschichte, die Coates’ Sohn später in einem Interview erzählte. By the Sleepy Lagoon ist ein langsamer Walzer, ursprünglich für Orchester geschrieben, doch im Laufe der Zeit vielfach gecovered, hier in einer Version für Streichquartett. Coates ist ein prominenter Vertreter der sog. «British Light Music». In England bleibt dieses Stück als Titelmelodie von Kultursendungen der BBC und Fernsehserien präsent, in unserem Sprachraum ist es vielleicht für viele eine Neuentdeckung.

Sérénade

Riccardo Drigo (1846–1930),

aus: Les millions d’Arléquin, (auch: Harlequinade), 1900

 

Drigo, ein italienischer Dirigent und Komponist, ist vor allem durch seine Ballettmusiken in Erinnerung geblieben. Sein Werk Les millions d’Arléquin, 1900 erstmals aufgeführt, erreichte weltweite Verbreitung. Besonders die «Sérénade», die Harlekin in der Balkonszene für Colombine erklingen lässt, gehörte bald einmal zum einschlägigen Repertoire der Salonmusik, manchmal unter anderen Titeln wie «Valse boston» oder «Serenatina veneziana». Übrigens: Die «Sérénade» war auch im Songbook der White Star Line zu finden, der Reederei, der die Titanic gehörte. Ob das Stück während deren verhängnisvollen Jungfernfahrt gespielt wurde, ist allerdings nicht überliefert.

Tarantella napolitana 

(traditional)

 

Als «Tarantella» wird ein aus Süditalien stammender Volkstanz bezeichnet, eine schnelle Musik im 3/8- oder 6/8-Takt. Gemäss Überlieferung sollte dieser wilde Tanz Personen heilen, die von einer Tarantel (Spinnenart) gebissen worden waren, indem sie bis zur völligen Erschöpfung tanzten, um das Gift aus dem Körper zu treiben. Die moderne Medizin hat jedoch keine Zusammenhänge gefunden zwischen dem Tarantelbiss und dem Tarantismus, der sich durch unkontrollierbares Zucken des ganzen Körpers manifestiert. Dafür hat die Tarantella die klassische Musik der letzten vier Jahrhunderte befruchtet –von Gaspar Sanz bis Sergei Rachmaninow, von Giachino Rossini bis Kurt Weill.

Andrea Wiesli & Jonas Kreienbühl

Andrea Wiesli (Klavier), Jonas Kreienbühl (Violoncello)

Begegnung

Joachim Raff (1822–1882),

aus: Zwei Fantasiestücke für Violoncello und Klavier op. 86 Nr. 1

 

Vielseitig und in fast allen Sparten der Musik aktiv war Joachim Raff zu Lebzeiten einer der führenden Komponisten des deutschen Sprachraums. Nach seinem Tod geriet er schnell in Vergessenheit und wurde im 20. Jahrhundert kaum noch gespielt. Erst in den letzten 20 Jahren ist seine Musik vermehrt auf Tonträgern greifbar, und zu Anlass seines 200. Geburtstags sind seine Werke auch wieder in Konzertsälen zu hören. Seine lyrische und melodiöse «Begegnung» komponierte Raff in Weimar, wo er von 1849–1853 als Franz Liszts persönlicher Assistent bei der Instrumentierung dessen Orchesterwerke mitwirkte. 

Wald-Romanze op. 10

Lily Reiff-Sertorius (1866–1958)

 

Diese Komponistin gilt es wieder zu entdecken. Nach einer Ausbildung am Münchner Konservatorium und 1884/85 bei Franz Liszt konzertierte Lily Sertorius einige Zeit in München. 1891 heiratete sie den Seidenfabrikanten Hermann Reiff und zog nach Zürich. Die Reiff’sche Jugendstilvilla in der Nähe des Bürkliplatzes wurde ein Zentrum von Zürichs kulturellem Gesellschaftsleben. Und das mit internationaler Ausstrahlung: An ihren legendären Mittwoch-Soiréen fanden sich zahlreiche Berühmtheiten aus Kunst, Musik und Literatur ein – von Richard Strauss bis Arturo Toscanini, von Thomas Mann bis Carl Zuckmayer. Lily Reiff hat eine ganze Reihe von Werken komponiert, neben einer Märchenoper auch viele kammermusikalische Stücke. Ihre Wald-Romanze ist eine «herrlich romantische Musik, die mich bisweilen ein wenig an Schumanns poetischen und naturinspirierten Ansatz erinnert», wie Pianistin Andrea Wiesli ausführt. 

Guitarre für Violoncello und Klavier op. 45 Nr. 2 

Moritz Moszkowski (1854–1925)

 

In jüngeren Jahren war Moszkowski als Klaviervirtuose, Dirigent und Musikpädagoge europaweit bekannt, als Komponist konnte er jedoch kaum an die frühen Erfolge anknüpfen. Seine Opern, Ballettmusiken und Sinfonien sind vergessen, sein Andenken lebt jedoch in einigen grossartigen Stücken der Salonmusik weiter, man denke nur an das virtuose Klavierstück «Etincelles» (dt. Funken) op. 36 Nr. 6, auch heute noch im Repertoire vieler Pianisten. Nicht weniger beeindruckend ist «Guitarre», 1887 ursprünglich für Piano komponiert. Auf Wunsch seines Verlegers bearbeitete er das Stück anschliessend für Cello und Piano. Moszkowskis Verleger hatte einen guten Riecher: Sowohl die Fassung für Cello und Klavier wie auch die von Sarasate besorgte Fassung für Violine und Piano wurden schnell populär und sind es bis heute geblieben. «Guitarre» ist so beschwörend wie virtuos, und natürlich hört man die Klänge des Landes der Gitarre deutlich heraus.

Omar Puente & Alex Wilson

Omar Puente (Violine), Alex Wilson (Klavier)

Diese beiden vielfach ausgezeichneten Künstler hatten schon für das 2. Erlibacher Music Festival im Oktober 2022 einen gemeinsamen Auftritt geplant. Leider verhinderten die Restriktionen während der Pandemie die Einreise von Omar Puente. Jetzt können Omar und Alex endlich ihre grossartige musikalische Energie bündeln, unterstützt durch den Bassvirtuosen Dimitrios Christopoulos. Dieses Konzert bietet eine einmalige Gelegenheit, die beiden Musiker unplugged zu hören, mit einem Repertoire aus ihren zahlreichen Latin-Jazz-Alben. Alex und Omar haben mit Wynton Marsalis, Courtney Pine, Rodrigo y Gabriela, Tito Puente und vielen anderen Jazz- und Latin-Koryphäen zusammengespielt und werden das Publikum auf eine fröhliche und begeisternde musikalische Reise mitnehmen.